Deutschland verliert 27:31 gegen Spanien und verpasst den Einzug ins Halbfinale

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Foto: EHF Euro / Twitter

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat ihr letztes Hauptrunden-Spiel mit 27:31 gegen Spanien verloren und damit den Einzug ins EM-Halbfinale verpasst. Während die erste Halbzeit noch ausgeglichen war, traten die Bad Boys in der zweiten Hälfte phasenweise katastrophal auf. Die Enttäuschung nach dem vorzeitigen EM-Aus ist groß auf deutscher Seite.

Schluss, aus und vorbei! Der deutsche Traum von der Titelverteidigung ist endgültig geplatzt, die Bad Boys haben am letzten Hauptrunden-Spieltag eine bittere 27:31-Niederlage gegen Spanien kassiert. Ausschlaggebend für die Niederlage waren erneut zahlreiche technische Fehler im zweiten Spielabschnitt, die es den Iberen ermöglichten auf zwischenzeitlich mit 8 Toren in Vorsprung zu gehen.

Ausgeglichene erste Hälfte

Wie im Vorfeld der Partie bereits vermutet wurde, entwickelte sich in der ersten Hälfte eine offene Partie, bei der es keiner Mannschaft gelang sich abzusetzen. Beide Teams agierten vor allem in der Offensive ein wenig fahrlässig, der erste Treffer des Spiel fiel erst in der 4. Minute als  Julius Kühn Deutschland mit 1:0 in Führung brachte. Deutschland konnte sich im weiteren Spielverlauf eine minimale Führung erspielen und lag nach zehn Minuten mit 5:3 in Front. Doch Spanien drehte die Partie binnen weniger Minuten mit einem 5:1-Lauf und lag plötzlich mit 8:6 in Führung. Diese Führung ließen die Iberer bis zur Halbzeitpause nicht mehr aus der Hand und lag nach den ersten 30 Minuten mit 14:13 in Führung.

Total Einbruch Mitte der zweiten Halbzeit

Zu Beginn der zweiten Hälfte erwischte die DHB-Auswahl einen katastrophalen Start und fiel in ein „schwarzes Loch“. Zwischen der 32. und 43. Minute konnte Deutschland keinen einzigen Treffer erzielen. Spanien hingegen nutzte diese Phase eiskalt aus und zog auf 23:15 davon. Bundestrainer Christian Prokop musste in dieser Phase seine zwei verbliebenen Auszeiten nehmen, aber auch diese halfen nicht weiter. Deutschland erlaubte sich Mitte der zweiten Hälfte zu viele einfache technische Fehler. Bitter ist vor allem die Tatsache, dass man in der 7:6-Überzahl immer wieder Bälle „wegwarf“ und sich so allein vier Tore ohne Torhüter fing. Neben den technischen Fehlern, ließ man auch zu viele einfache Würfe im 1:1 liegen.

Spanien nahm in der Schlussphase das Tempo aus dem Spiel und ließ in den letzten zehn Minuten nichts mehr anbrennen. Auch wenn Deutschland sich nochmals am Ende auf -4 herankämpfen konnte, blieb es bei der bitteren 27:31-Pleite und dem vorzeitigen EM-Aus. Damit ist den Iberern die Revanche für das verloren EM-Finale vor 2 Jahren in Polen gelungen, als Deutschland triumphierte und sich seinen letzten Titelerfolg sichern konnte.

Bester Werfer auf Seiten der Spanier war David Balaguer, der auf sechs Tore bei sieben Versuchen kam. Auch Ferran Sole zeigte mit fünf Toren aus fünf Versuchen eine starke Leistung. Maßgeblich an dem Sieg beteiligt war Torhüter Rodrigo Corrales, der 11 Bälle parieren konnte und damit auf eine Quote von 39 Prozent kam. Bei Deutschland kam Kai Hafner auf fünf Tore bei neun Versuchen. Auch Tobias Reichmann zeigte eine ordentliche Leistung mit vier Toren bei fünf  Versuchen. Auch Philipp Weber erzielte vier Tore aus vier Versuchen. Enttäuschend war (mal wieder) die Leistung von Kapitän von Uwe Gensheimer, der lediglich auf zwei Tore bei vier Versuchen kam. Mit 38 Prozent (Silvio Heinewetter) und 33 Prozent (Andreas Wolff) waren die beiden deutschen Torhüter durchaus auf einem guten Niveau, am Ende reichte es leider nicht um die bittere Niederlage zu verhindern.

Die Stimmen zum Spiel

Die Enttäuschung nach der Niederlage und dem vorzeitigen EM-Aus ist groß, bei allen, sowohl bei den Spielern als auch bei den Verantwortlichen beim DHB. Vizepräsident Bob Hanning äußerte sich wie folgt dazu: „Diese Leistung war nicht würdig, um in ein EM-Halbfinale einzuziehen. Wir haben viel zu viele einfache technische Fehler gemacht und das Spiel binnen fünf Minuten aus der Hand gegeben. Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben vom Halbfinale geträumt, das war die Zielsetzung. Das tut besonders weh.“

Torhüter Andreas Wolff war eigenen Aussagen zu Folge geschockt: „Ich bin absolut schockiert. Wir haben uns aufgegeben. Und vorne die Bälle wie eine Schülermannschaft weggeschmissen. Das war eine insgesamt enttäuschende Europameisterschaft.“

Auch Bundestrainer Christian Prokop war sichtlich niedergeschlagen: „Es waren unerklärlich viele technische Fehler. Wir haben das Spiel innerhalb von fünf Minuten abgeschenkt. Das ist sehr bitter. Es sind bei dem Turnier viele Sachen nicht am Optimum gelaufen.“

Unser Turnier-Fazit

Die Erwartungen vor dem Turnier waren groß, Deutschland gehörte als amtierender Europameister zweifelsfrei zu den Top-Favoriten. Dieser Rolle konnte man jedoch, wenn man ehrlich ist, zu keinem Zeitpunkt wirklich gerecht werden. Bereits die beiden Unentschieden gegen Slowenien und Mazedonien haben gezeigt, dass Deutschland bei diesem Turnier größere Probleme hat. Während die Defensive und die Torhüter halbwegs „Normalform“ erreichten, hatte man vor allem in der Offensive große Probleme. Allen voran in der Spieleröffnung tat man sich in jedem Spiel schwer sich Chancen zu erspielen. Auffallend waren auch die vielen technischen Fehler, die man so von dieser Mannschaft nicht gewohnt war. Allen voran das Überzahlspiel 7:6 wirkte in vielen Momenten unausgereift.

Insgesamt betrachtet agierte die gesamte DHB-Auswahl unter ihren Möglichkeiten. Leider blieb allen voran Kapitän und Leistungsträger Uwe Gensheimer weit hinter seinen Erwartungen zurück. Im Auftaktspiel gegen Montenegro kam der Linksaußen noch auf 11 Tore, gegen Spanien waren es nur noch 2. Zwischenzeitlich verlor Gensheimer seinen „Stammplatz“ an Tobias Reichmann, der erst im Verlaufe des Turniers nachnominiert wurde.

Es wird spannend zu sehen wie sich Deutschland in den kommenden Monaten präsentiert. Die Handball-Weltmeisterschaft 2019 findet in Deutschland statt. Ganz Handball-Deutschland hofft auf ein erneutes „Winter-Märchen“, dafür muss jedoch ein gewaltiger Ruck durch den DHB und die Bad Boys gehen. Nach der enttäuschenden EM wird es sicherlich auch personelle Konsequenzen geben, ob es auch Bundestrainer Christoan Prokop trifft bleibt abzuwarten.

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