DHB hält an Christian Prokop fest, Lino Cervar kündigt seinen Rücktritt an

Christian Prokop
Foto: Walter Mier / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

Der Schock nach der 27:31-Pleite gegen Spanien und dem vorzeitigen EM-Aus ist groß auf Seiten der deutschen Handballer. DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte unmittelbar nach dem Spiel angekündigt, alles und jeden auf den Prüfstein zu stellen, auch Bundestrainer Christian Prokop. Heute folgte jedoch die Bestätigung, dass der 39-jährige die DHB-Auswahl zur Heim-WM 2019 führen wird. Beim EM-Gastgeber Kroatien wird es nach dem Turnier personelle Veränderungen auf der Trainerbank geben. Lino Cervar hat nach dem enttäuschendem EM-Aus seinen Rücktritt angekündigt.

Die Enttäuschung und Wut nach dem bitteren EM-Aus gegen Spanien ist auch einen Tag nach der 27:31-Niederlage nach wie vor groß bei den deutschen Fans, aber auch beim Deutschen Handball-Verbund DHB. Unmittelbar nach dem gestrigen Spiel machten erste Gerüchte die Runde, dass die Tage von Christian Prokop als Bundestrainer gezählt sind und ein neuer, frischer Mann die Bad Boys zur Heim-WM 2019 führen soll.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hat diese Meldungen am heutigen Donnerstag jedoch dementiert und bestätigt, dass Prokop auch nach dem EM-Aus weiterhin auf der deutschen Trainerbank sitzen wird: „Auch ich bin sehr traurig. Wir haben jetzt innerhalb von zwölf Monaten bei zwei Großereignissen nicht die Zielaufgaben erfüllt. Der Trainer steht aber nicht zur Disposition. Das Ziel ist es, mit ihm weiterzumachen.“ Prokop selbst, der einen laufenden Vertrag bis 2022 beim DHB hat, zeigte sich ebenfalls zuversichtlich und dachte zu keinem Zeitpunkt an einen Rücktritt: „Ich mache mir überhaupt keine Gedanken über einen Rücktritt, weil auch ich Großes vorhabe. Ich habe eine klare Vorstellung von einer Spielphilosophie. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die mit viel Tempo spielt und nicht ausrechenbar ist.“

Blicken richten sich bereits auf die Heim-WM 2019

Auch wenn Hanning betont hat, dass es eine ausführliche und intensive Analyse der Auftritte bei der Handball-EM geben wird, richten sich die Blicke beim DHB bereits schon in die Zukunft. In knapp 12 Monaten ist man Gastgeber der Handball-Weltmeisterschaft 2019: „Das Aus wird uns nicht weh tun, weil wir die Heim-WM haben. Aber die sollten wir auch tunlichst nutzen.“ Hanning formulierte direkt auch Ziele für die kommenden Jahre: „Es gibt eine unverhandelbare Vision: Wir wollen eine WM-Medaille und Olympia-Gold. Das werden wir ab heute angehen.“

Während die Frage geklärt ist wer die deutschen Handballer trainieren und führen wird, ist offen welche Spieler nach dem EM-Chaos noch Teil der „Bad Boys“ bleiben werden. Viele Spieler sind bei dem Turnier hinter ihren Erwartungen zurück geblieben, auch Kapitän und bisherige Leistungsträger Uwe Gensheimer. Der 31-jährige äußerte sich nach dem Aus gegen Spanien jedoch eher zurückhaltend: „Wir haben darüber gesprochen. Es gab aber keine Beschlüsse oder Entscheidungen. Ich glaube nicht, dass wir als Mannschaft jetzt zusammenbrechen.“

Lino Cervar kündigt Rücktritt in Kroatien an

Nicht nur in Deutschland ist die Enttäuschung derzeit groß, auch in Kroatien herrscht einen Tag nach der 27:30-Pleite gegen Frankreich Katerstimmung. Der EM-Gastgeber galt vor dem Turnier als einer der Top-Favoriten und musste nun bereits in der Hauptrunde seinen Hut nehmen.

Kroatiens Nationaltrainer Lino Cervar hat im Rahmen einer Pressekonferenz seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-jährige ist nicht unumstritten in Kroatien und hat wohl auch die Lust verloren Domagoj Duvnjak & Co. zur Handball-WM 2019 zu führen: „Mein Vertrag endet mit Ablauf der Europameisterschaft. Unabhängig von mir brauchen wir künftig einen Trainer, der von allen unterstützt wird. Die Nationalmannschaft hat auch ohne mich eine Zukunft.“

Cervar stellte sich nach dem Turnier-Aus vor seine Mannschaft und betonte, dass diese durchaus ihr Leistungsmaximum erreicht hat, dieses aber schlichtweg nicht ausgereicht hat: „Es war eine schmerzhafte Lektion für sie. Aber sie sind die Besten, die wir haben. Und wir werden sie in der Zukunft brauchen.“

Der erfahrene Trainer wird morgen Nachmittag beim Spiel um Platz 5 gegen Tschechien seine vermutliche letzte Partie als Kroatiens Nationaltrainer bestreiten.

Anders als in der Vergangenheit zeigten sich auch die Medien und Handball-Fans nicht so kritisch wie zunächst vermutet. Grund hierfür dürfte vor allem die Tatsache sein, dass man nahezu das komplette Turnier verletzungsbedingt auf seinen Superstar Domagoj Duvnjak verzichten musste. Ein Hauptrunden-Aus mit dem THW-Profi wäre sicherlich deutlich kritischer beäugt worden.