In der Theorie können 16 Mannschaften in Kroatien Handball-Europameister 2018 werden. In der Praxis sollten Sie als Wetter Ihr Geld aber doch eher auf Frankreich, Kroatien oder Deutschland setzen als auf Ungarn oder Tschechien. Für uns sieht das Ranking der 16 Teams wie folgt aus:

Platz 16: Österreich

Dritte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 9 bei der EM 2010

Torjäger Robert Weber vom SC Magdeburg und die beiden Kieler-Spieler Nikola Bilyk sowie Raul Santos sind die bekanntesten Profis in Österreichs Kader. Dazu kommen vor allem Spieler aus der international unbedeutenden Handball Liga Austria. In der Summe fehlt unserem Nachbarland die Qualität, um bei dieser hochkarätig besetzten EM mithalten zu können. Gegen die extrem starken Vorrundengegner Frankreich und Norwegen drohen sogar hohe Niederlagen und auch der dritte Gegner, Weißrussland, ist den Österreichern überlegen.

Platz 15: Tschechien

Achte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 6 bei der EM 1996

Superstar Filip Jicha (früher jahrelang der Schlüsselspieler beim THW Kiel) hat seine Karriere beendet und Tschechiens Auswahl damit seine besten Jahre hinter sich. Der wichtigste Spieler heißt im Jahr 2018 Ondrej Zdráhala – auch schon 34 Jahre und beim Schweizer Klub TSV St. Otmar Sankt Gallen unter Vertrag. In der sogenannten Todesgruppe mit Dänemark, Spanien und droht ein Ausscheiden ohne Punkt.

Platz 14: Montenegro

Vierte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 12 bei der EM 2008

Deutschlands Gruppengegner Montenegro gehört wie schon bei den letzten Titelkämpfen zu den großen Außenseitern. Bei der EM 2014 und 2016 wurde man Letzter und auch diesmal ist ohne Vuko Borozan (verletzt) und Zarko Markovic (seit 2014 für Katar auf der Platte) nicht viel mehr drin.

Platz 13: Weißrussland

Fünfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 8 bei der EM 1994

Weißrussland hat sich zum dritten Mal in Folge für die Endrunde qualifiziert und peilt diesmal den Einzug in die Hauptrunde an. Barys Pukhouski ist der Torjäger im Team, dazu kommen hoffnungsvolle Talente  wie der 21-jährige Artsem Karalek, der künftig für den polnischen Top-Klub Kielce spielen wird.

Platz 12: Island

Zehnte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 3 bei der  EM 2010

Gudjon Valur Sigurdsson ist auch noch im Alter von 38 Jahren einer der Hoffnungsträger der isländischen Mannschaft und hat bereits über 1700 Tore für die Nordlichter erzielt. Der Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen führt neben Top-Star Aron Pálmarsson (FC Barcelona) eine Mannschaft an, die man als solide einstufen kann. Doch bei den Vorrundengegnern Schweden, Kroatien und Serbien droht die EM ein kurzes Vergnügen für die Nordlichter zu werden.

Platz 11: Mazedonien

Fünfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 5 bei der EM 2012

Mazedonien stellt mit Vardar Skopje zwar den aktuellen Champions-League-Sieger, doch von solchen Erfolgen ist die Nationalmannschaft meilenweit entfernt. Das weiß auch der spanische Trainer Raúl Gutiérrez, der in Doppelfunktion auch Vardar trainiert und dort besonders auf überragende Legionäre bauen kann. Sein wohl bester Spieler in der Nationalmannschaft ist der mittlerweile 37-jährige Kiril Lazarov, der in der EM-Qualifikation mit 59 Treffern bester Torschütze war. Aber ein Spieler reicht in der Mannschaftssportart Handball nicht, um Erfolg zu haben.

Platz 10: Serbien

Fünfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Vize-Europameister bei der EM 2012

Für die Serben ging es seit dem sensationellen zweiten Platz bei der Heim-EM 2012 stetig bergab. Bei der vergangenen EM wurde das Team Vorletzter, bei der WM 2015 und 2017 war man überhaupt nicht dabei. Hoffnungsträger auf bessere Zeiten ist der 23-jährige Linkshänder Darko Dukic, der bei Top-Klub Kielce in Polen spielt und gilt als großes Talent gilt.

Platz 9: Ungarn

Elfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 6 bei der EM 1998

Ungarn hat große Ambitionen und mit Ljubomir Vranjes, der 2014 mit Flensburg die Champions League gewann, einen hochqualifizierten Trainer geholt. Die Stars in seiner Mannschaft sind Máté Lékai und Torwart Roland Mikler, die beide beim ungarischen Spitzenklub Veszprém unter Vertrag stehen. Für mehr als die Hauptrunde fehlt aber die Qualität in der Breite, zudem muss man bereits in der Vorrunde bereits gegen die höher eingeschätzten Dänen und Spanier ran.

Platz 8: Slowenien

EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Vize-Europameister bei der EM 2004

Slowenien war die große WM-Überraschung 2017 und wurde Dritter. Der Verlust von Barcelonas Jure Dolenec tut weh, denn der Rechtsaußen hat bereits über 400 Länderspiel-Tore erzielt. Trotzdem sollte man das Team um den 21-jährigen Blaz Janc (Kielce), der als einer der besten Nachwuchsspieler der Welt gilt, beachten, denn sie gelten als spielstark und haben gefährliche Außenspieler.

Platz 7: Schweden

Zwölfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Sieger bei der EM 1994, 1998, 2000 und 2002

Schweden ist mit vier Titeln Europas Rekordchampion, aber die Zeit der goldenen Ära unter Trainer Bengt Johansson ist lange vorbei. Was jedoch nicht bedeutet, dass keine neue Erfolge möglich sind, denn bei der WM 2017 erreichte Schweden mit der jüngsten Mannschaft des Turniers immerhin das Viertelfinale. In dem Team, das von Kiels Rechtsaußen Niclas Ekberg angeführt wird, steckt also Potenzial – die Frage ist, ob die Erfahrung schon ausreicht, um es bei dieser EM vollständig abrufen zu können. Eine Bank ist Torwart Mikael Appelgren, der im Verein die Bälle für die Rhein Neckar Löwen hält.

Platz 6: Spanien

13. EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Vize-Europameister bei der EM 1996, 1998, 2006 und 2016

Die spanische Auswahl befindet sich altersbedingt im Umbruch, denn die Stützen wie beispielsweise Valero Rivera (32 Jahre alt), Raul Entrerríos (36) oder Julen Aguinagalde (35) befinden sich alle im Spätherbst ihrer Karriere. Die absolute Weltklasse im Nachwuchs fehlt, so dass das Halbfinale  bereits ein Erfolg für die Sudeuropäer wäre.

Platz 5: Norwegen

Achte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Platz 4 bei der EM 2016

Vierter bei der EM 2016, Vize-Weltmeister im vergangenen Jahr: Norwegen hat zwei starke Jahre hinter sich und ist bei der Euro der Geheimfavorit. Kristian Björnsen, Bjarte Myrhol und besonders der 22-jährige Sander Sagosen von Paris Saint-Germain sind die Gesichter des Teams von Trainer Christian Berge. Spannend wird, ob die Mannschaft mit der neuen Rolle im Rampenlicht umgehen und die guten Ergebnisse bestätigen kann.

Platz 4: Dänemark

Zwölfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Sieger, EM 2008 und 2012

Die dänische Mannschaft um Superstar Mikkel Hansen gehört wie vor fast jedem Turnier zum Kreis der Titelkandidaten. Denn der Olympiasieger von 2016 verfügt seit Jahren über einen der besten Kader, allerdings wurde man bei der WM im vergangenen Jahr nur enttäuschender Zehnter. Damit es in Kroatien besser klappt, wurde Taktikfuchs Nikolaj Jacobsen als Coach verpflichtet. Er trainiert in Doppelfunktion auch Deutschlands aktuellen Meister Rhein-Neckar Löwen und steht für Erfolg.

Platz 3: Kroatien

13. EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Vize-Europameister bei der EM 2008 und 2010

Mit Heimvorteil erstmals Europameister werden, so lautet die Mission von Trainer Lino Cervar, dessen Nation letztmals bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen einen großen Triumph feiern konnte. Ein starkes Team steht ihm zur Verfügung, in dem Domagoj Duvnjak Spielmacher und Fixpunkt ist. Doch hinter „Dule“ steht auch ein Fragezeichen, wie er nach achtmonatiger Pause wegen Knie-OP die hohe Belastung von vielen Spielen in wenigen Tagen verkraften kann. Deswegen kommt es auch auf Luka Cindric von Champions-League-Sieger Vardar Skopje an, der als die Zukunft des kroatischen Handballs gilt. Zwar gibt es noch weitere namhafte Spieler von internationalen Top-Vereinen im Kader, doch in Summe sind andere Nationen eigentlich stärker einzuschätzen. Kroatien steht vor allem wegen des Heimvorteils auf Platz drei in unserem Ranking. Dass zu hoher Erwartungsdruck aber auch nach hinten losegehen kann, mussten die Kroaten bei der Heim-EM 2000 am eigenen Leib erfahren. Mit dem Titel als Ziel gestartet, war bereits nach der Vorrunde Schluss – läuft es diesmal besser?

Platz 2: Deutschland

Zwölfte EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Sieger bei der EM 2004 und 2016

Der Titelverteidiger reist ohne Verletzungssorgen und einem sehr guten Qualifikationsergebnis nach Kroatien. Besonders der Angriff präsentierte sich zuletzt in bestechender Form, doch trotzdem wird eine Wiederholung des EM-Erfolgs schwierig. Zuletzt tat sich die im internationalen Vergleich noch junge Mannschaft schwer mit der neuen Rolle als Favorit statt des unbekümmerten Underdogs. Bei der WM 2017 schied das Team überraschend im Achtelfinale gegen Katar aus. Mit Kapitän Uwe Gensheimer von Paris St. Germain spielt nur ein Leistungsträger bei einem ausländischen Top-Klub. Spätestens in der Hauptrunde, wenn die DHB-Auswahl auf Dänemark und Spanien treffen dürfte, wird sich zeigen, wie stark die Mannschaft des neuen Bundestrainer Christian Prokop wirklich ist und ob seine überraschende Personalplanung – ohne Abwehrchef Finn Lemke – aufgegangen ist.

Platz 1: Frankreich

13. EM-Teilnahme, bestes Abschneiden bisher: Sieger bei der EM 2006, 2010 und 2014

Der aktuelle Weltmeister ist auch bei der EM in Kroatien der Turnierfavorit. Angeführt von Welthandballer Nikola Karabatic verfügt die Auswahl über zahlreiche Superstars mit viel Turniererfahrung. Bei der WM 2017 haben aber auch schon junge Profis wie Nedim Remili von Paris Saint-Germain oder Ludovic Fabregas aus Montpellier ihr Können unter Beweis gestellt. Die Mischung stimmt und wer Europas Handball-Thron besteigen will, muss definitiv an Frankreich vorbei.