Erst seit 1994 wird der Handball-Europameister der Männer ausgespielt und ist damit ein vergleichsweise junger Wettbewerb. Rekordhalter ist Schweden mit vier Titeln, es folgt Frankreich mit drei Triumphen. Der amtierende Europameister Deutschland bringt es genauso wie Nachbar Dänemark auf zwei Siege. Rekord-Teilnehmer sind Frankreich, Kroatien und Spanien, die bisher bei jeder der 12. gespielten Europameisterschaften dabei waren.

Die eigentliche Geschichte der europäischen Handball-Titelkämpfe beginnt jedoch bereits 1968 mit dem Ostessepokal. Der Name ist dabei irreführend, da nicht nur Ostseeanrainer, sondern Handballnationen aus ganz Europa am Turnier teilnahmen – lediglich der Gastgeber kam stets aus einem Staat an der Ostsee. Der Wettbewerb wurde bis zur letzten Ausgabe 1989 in der Bundesrepublik Deutschland stets von Ostblockstaaten dominiert, bis auf Rumänien 1968 konnten nämlich nur die damalige Sowjetunion und die DDR das Turnier gewinnen.

Bis zur Geburt der Bad Boys bei der Handball-Europameisterschaft 2016 in Polen war die deutsche EM-Geschichte von der Ära Heiner Brand dominiert. Der selbst erfolgreiche Nationalspieler vom VfL Gummersbach übernahm das DHB-Team als Bundestrainer im Jahr 1997 und leitete damit eine neue Erfolgsgeschichte im deutschen Handball ein, die ihren ersten Höhepunkt mit dem EM-Triumph 2004 fand. 2007 folgte dann im eigenen Land mit dem Sieg bei der WM die absolute Krönung und Deutschland war im Handball-Olymp angekommen.

Zum Ende der Amtszeit von Heiner Brand im Jahr 2011 und auch danach folgten herbe Enttäuschungen bei den Europameisterschaften 2010 – 2014. Während die DHB-Auswahl 2010 und 2012 in der Hauptrunde ausschied, konnte sie sich 2014 gar nicht erst für das Turnier qualifizieren. So kam der EM-Titel 2016 völlig unerwartet. Fast niemand hatte der Mannschaft im Vorfeld diese Leistung zugetraut, zumal das Team einige verletzungsbedingte Ausfälle verkraften musste. Doch mit einer starken mannschaftlichen Geschlossenheit und überragenden Torhüterleistungen wurden im Turnier die „Bad Boys“ geboren, die sich von Spiel zu Spiel steigerten und schließlich sogar das Finale deutlich gegen die ursprünglich hoch favorisierten Spanier gewinnen konnten. Die Bezeichnung Bad Boys wurde dabei vom Bundestrainer Dagur Sigurdsson geboren, der das erwünschte harte, aber faire Auftreten seiner Mannschaft mit dem amerikanischen Basketball-Team Detroit Pistons verglich. Wegen ihrer körperbetonten und defensivorientierten Spielweise bekamen Sie 1986 in den USA den Spitznamen „Bad Boys“ verpasst.

Seit 1994 hat die Handball-EM folgende Medaillengewinner hervorgebracht:

JAHR     GASTGEBER       EUROPAMEISTER            ERGEBNIS           VIZEMEISTER     DRITTER

1994      Portugal              Schweden                          34 : 21                   Russland             Kroatien

1996      Spanien               Russland                             23 : 22                   Spanien               Jugoslawien

1998      Italien                   Schweden                          25 : 23                   Spanien               Deutschland

2000      Kroatien              Schweden                          32 : 31                   Russland             Spanien

2002      Schweden          Schweden                          33 : 31                   Deutschland      Dänemark

2004      Slowenien          Deutschland                      30 : 25                   Slowenien          Dänemark

2006      Schweiz               Frankreich                          31 : 23                   Spanien               Dänemark

2008      Norwegen          Dänemark                          24 : 20                   Kroatien              Frankreich

2010      Österreich          Frankreich                          25 : 21                   Kroatien              Island

2012      Serbien                Dänemark                          21 : 19                   Serbien                Kroatien

2014      Dänemark          Frankreich                          41 : 32                   Dänemark          Spanien

2016      Polen                    Deutschland                      24 : 17                   Spanien               Kroatien