Wahnsinn in Zagreb! Videobeweis rettet Deutschland Unentschieden gegen Slowenien

Wahnsinn in Zagreb! Videobeweis rettet Deutschland Unentschieden gegen Slowenien
Foto: EHF Euro / Twitter

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich am zweiten Vorrundenspieltag bei der Handball-EM 2018 25:25-Unentschieden gegen Slowenien getrennt. Das Team von Christian Prokop rettete sich dank des Videobeweises in aller letzter Sekunde noch einen Punkt.

Zwei Tage nach dem souveränen 32:19-Auftaktsieg gegen Montenegro, stand heute mit Slowenien der erste echte Prüfstein für die deutschen Handballer bei der Handball-EM 2018 an. In einer packenden und zugleich dramatischen Partie profitierte das Team von Christian Prokop nach dem Schlusspfiff vom Videobeweis. Tobias Reichmann behielt die Nerven und rettete den Bad Boys von der 7-Meter-Linie einen Punkt beim 25:25-Unentschieden den WM-Dritten von 2007.

Grauenhafte erste Hälfte

Anders als gegen Montenegro erwischte Deutschland einen grauenhaften Start in das Spiel und lag nach acht absolvierten mit 2:4 in Rückstand. In allen Bereichen blieb die DHB-Auswahl hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten und Qualitäten zurück. In der Defensive musste Nationaltrainer Prokop nahezu im Minutentakt seine Formation umstellen, weil es an der nötige Aggressivität fehlte. Silvio Heinevetter und Andreas Wolff blieben in den ersten 30 Minuten auf unter 10 Prozent gehaltener Würfe und auch Uwe Gensheimer scheiterte zwei Mal von der 7-Meter Linie.

Ohne Rückraumstar Jure Dolenec und Kreisläufer Matej Gaber übernahmen bei Slowenien Miha Zarabec und Rückraum-Shooter Borut Mackovsek die Verantwortung und waren maßgeblich an der 15:15-Halbzeitführung beteiligt.

Aufholjagd mit Happy End


In der zweiten Spielhälfte versuchte Deutschland von Beginn an aggressiver und effizienter zu agieren und profitierte dabei unter anderem von den vielen Strafzeiten gegen Slowenien. Am Ende des Spiels standen davon acht Stück zu Buche, bei Deutschland hingegen lediglich drei.

Mitte der zweiten Hälfte kassierten die Slowenen sogar eine doppelte Unterzahl und Deutschland nutzte diese Situation eiskalt aus. In der 47. Minute glich Gensheimer zunächst zum 19:19 aus. Vier Minuten später sorgte Pekeler sogar mit dem Tor zum 21:20 für die erste deutsche Führung in dem Spiel.

In der Schlussphase wurde es dann nochmals richtig dramatisch, trotz der vielen Rückschläge und Zeitstrafen kämpfte sich Slowenien erneut zurück und ging vier Sekunden vor dem Ende mit 25:24 in Führung. In diesem Moment schien die deutsche Niederlage besiegelt zu sein. Der letzte hektische deutsche Angriff wurde abgefangen und das Spiel ging zu Ende. Doch die beiden litauischen Unparteiischen Mindaugas Gatelis und Vaidas Mazeika erklärten die Begegnung noch nicht für beendet. Nach einer minutenlangen Pause, bei der der Videobeweis zu Einsatz kamen entschieden die Schiedsrichter auf 7-Meter für die DHB-Auswahl. Mehrere slowenische Spieler hatten den deutschen Anwurf von Drux behindert, was nicht erlaubt ist und nach dem neuen Regelwerk neben einer roten Karte auch automatisch zum Strafwurf führt. Tobias Reichmann verwandelte den anschließenden 7-Meter und rettete seiner Mannschaft damit in der „Nachspielzeit“ das Unentschieden.

Bester Werfer auf Seiten Deutschlands war erneut Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Toren. Der Außenspieler erlaubte sich jedoch ungewohnt viele Fehler und brauchte ganze 11 Versuche für seine Tore. Patrick Groetzki kam auf vier Tore bei vier Versuchen und damit auf eine Wurfquote von 100 Prozent. Die beiden deutschen Torhüter Heinevetter und Wolff erwischten einen gebrauchten Tag. Wolff kam auf lediglich 8 Prozent gehaltene Würfe. Heinevetter liegt mit 28 Prozent ebenfalls weit unter seinem Durchschnitt.

Bei Slowenien zeigte Spielmacher Zarabec eine starke Leistung und kam am Ende auf 5 Tore bei 7 Versuchen. Auch Urban Lesjak im Tor der Slowenen war einer der Leistungsträger mit 33 Prozent an gehaltenen Würfen.

Deutschland qualifiziert sich für die Hauptrunde

Durch das Last Second-Unentschieden hat sich Deutschland vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert und ist einen Spieltag vor Ende der Vorrundenphase nicht mehr von den ersten drei Plätzen zu verdrängen. Für die Mannschaft von Christian Prokop geht es am kommenden Mittwoch (18.15 Uhr) gegen Mazedonien um den Gruppensieg und eine gute Ausgangsposition für die zweite Turnierphase.

Matchwinner Tobias Reichmann äußerte sich nach dem Spiel wie folgt zu dem Herzsschlag-Finale: „Die Entscheidung war eine klare Sache, drei Männer standen im Anwurfkreis. Es ist definitiv ein gewonnener Punkt, gerade wenn man die erste Halbzeit sieht. Wir haben uns stark zurückgekämpft.“